Und was macht Europa?

Die Schuldenkrise in Griechenland und der militärische Konflikt in der Ukraine stellen die EU auf die Probe. Ich plädiere für einen langen Atem.

Zwei Krisenherde halten Europa derzeit in Atem: die anhaltende finanzielle Misere im Süden trifft Europa mitten ins Herz. Griechenland gilt als Geburtsort der europäischen Demokratie und der Rest der europäischen Familie muss sich nun fragen: wie geht man in einer Schicksals- und Solidargemeinschaft damit um, wenn ein Familienmitglied leidet?

Vor der Ostgrenze Europas feuern derweil weiter die Artilleriegeschütze. Trotz der vereinbarten Waffenruhe, trotz der Beteuerungen des russischen Präsidenten schweigen die Waffen in der Ostukraine nicht dauerhaft. Ein Abzug von schweren Waffen ist nicht erkennbar und auch der Gefangenenaustausch kommt nicht voran. Hier muss sich Europa die Frage gefallen lassen: wie geht man damit um, dass ein wichtiger strategischer Partner offenbar nicht gewillt ist, den eigenen Worte Taten folgen zu lassen?

Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben: für beide Probleme gibt es keine schnelle Lösung, Europa wird einen langen Atem brauchen. Im Falle Griechenlands sollten wir uns nicht vom schrillen Auftreten der politischen Rockstars Tsipras und Varoufakis blenden lassen. Der Regierungswechsel ist die Quittung für jahrelange Fehlwirtschaft. Der Sturz ist hart und das Aufwachen schmerzhaft – aber an den Sparanstregungen führt kein Weg vorbei.
Wie sollen wir anderen europäischen Ländern mit niedrigeren Lebensstandards erklären, dass die Griechen eine Vorzugsbehandlung bekommen?

Wir sollten auch nicht vergessen: das entschlossene Handeln der europäischen Gemeinschaft hat Griechenland vor einem Staatsbankrott bewahrt. Wir wollen alle nicht wissen, wie Griechenland ansonsten heute da stehen würde. Und die Reformen zeigen Erfolg: die wesentlichen makroökonomischen Indikatoren zeigen nach oben. Wir dürfen nun nicht vom eingeschlagenen Weg abkommen. Und auch was Russland angeht, darf Europa den in Minsk gefunden Weg nicht verlassen. Auch wenn Putins neues Russland derzeit die Muskeln spielen lässt – auf lange Sicht werden sich vernünftigere Köpfe durchsetzen. In der Zwischenzeit muss Europa standhaft bleiben.

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