Fair-Trade-Siegel

Fair-Trade-Siegel wurden von Organisationen wie Fairtrade International (FLO) und der World Fair Trade Organisation (WFTO — Weltorganisation für fairen Handel) überwiegend für landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgestellt, die nachweislich auf der Grundlage eines nachhaltigen Ressourcenverbrauchs und unter Einhaltung angemessener Lohnstandards für die Arbeitnehmer hergestellt wurden. Was insbesondere Kaffee betrifft, ist eine solche Zertifizierung bei europäischen Verbrauchern ausgesprochen beliebt. Die Wirksamkeit des fairen Handels im Hinblick auf die tatsächliche Verbesserung des Lebensstandards und der Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern wurde jedoch in aktuellen Studien (z. B. in einer Studie des Instituts für orientalische und afrikanische Studien der Universität London(1)) infrage gestellt.

Die Kommission hat ihre Absicht, nicht in die Festlegung oder Regulierung derartiger Systeme einzugreifen, wiederholt zum Ausdruck gebracht. Jedoch werfen derartige Berichte — soweit sie zutreffend sind — die Frage auf, ob die europäischen Verbraucher tatsächlich wissensbasierte Entscheidungen auf der Grundlage solcher Siegel treffen können.

1. Vertritt die Kommission die Auffassung, dass sich Fair-Trade-Siegel wie z. B. das von FLO ausgestellte Siegel in hohem Maße positiv auf die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern auswirken, wovon Millionen von Verbrauchern in Europa überzeugt sind.

2. Ist die Kommission der Ansicht, dass die europäische Verbraucher einen Nutzen aus sichtbaren Anreizen im Bereich des fairen Handels für den Verkauf von Erzeugnissen geringerer Qualität durch fairen Handel ziehen werden, während höhere Gewinne bei hochwertigen Erzeugnissen erzielt werden, indem sie zu marktüblichen Bedingungen verkauft werden (hierbei handelt es sich um einen Gedanken, der von Colleen Haight in der Stanford Social Innovation Review(2) angesprochen wurde?

3. Beabsichtigt die Kommission, ihre Haltung, dass sie die Auswirkungen von Fair-Trade-Siegeln weder beurteilen noch überwachen wird, vor dem Hintergrund der oben genannten Studien zu überdenken?

(1) http://ftepr.org/wp-content/uploads/FTEPR-Final-Report-19-May-2014-FINAL.pdf
(2) http://www.ssireview.org/articles/entry/the_problem_with_fair_trade_coffee

Antwort

Antwort von Cecilia Malmström im Namen der Kommission: Die Europäische Kommission begrüßt Initiativen, die die Förderung von handelsbezogenen Nachhaltigkeitssicherungskonzepten zum Ziel haben. Sofern sie sorgfältig entwickelt und umgesetzt werden, können diese Konzepte nicht nur entscheidend dazu beitragen, dass Verbraucher wissensbasierte Kaufentscheidungen treffen können, sondern sie unterstützen auch kleine Produzenten in Entwicklungsländern. Die Europäische Kommission beabsichtigt nicht, Kriterien für derartige Konzepte zu bewerten oder zu regulieren. Ein solches Eingreifen würde sich negativ auf die Dynamik privater Initiativen auswirken. Es ist allerdings wichtig, dafür zu sorgen, dass Verbraucher die Kriterien verstehen, die dem jeweiligen Konzept zugrunde liegen, so dass sie fundierte Kaufentscheidungen treffen können. Die Europäische Kommission ist sich auch bewusst, dass freiwillige Maßnahmen im Rahmen der sozialen Verantwortung der Unternehmen nicht die Tatsache untergraben dürfen, dass zunächst einmal die Regierungen der Partnerländer in der Verantwortung stehen, internationale Übereinkünfte zu ratifizieren und wirksam umzusetzen sowie nationale Vorschriften durchzusetzen. Bemühungen der Partnerländer, sich uneingeschränkt an die Kernarbeitsnormen und an multilaterale Umweltübereinkommen zu halten, unterstützt die EU über verschiedene Politikbereiche, wie etwa die EU-Entwicklungszusammenarbeit. Ferner wurden im Rahmen des freiwilligen EU-Umweltzeichens(1) bereits Arbeitsanforderungen an grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit in einige Kriterienkataloge aufgenommen, so etwa bei Lichtquellen, Textilien und absorbierenden Hygieneprodukten. Die Aufnahme ähnlicher Anforderungen ist für folgende Bereiche geplant: Schuhe, PCs, Laptops und Tablets. (1) http://ec.europa.eu/environment/ecolabel/