Kampagne “ICE” (In Case of Emergency) – Schnelle Benachtichtigung von Angehörigen in Notfällen

Bei Unfällen oder sonstigen Notfällen trägt die Mehrzahl der Verletzten ein Mobiltelefon bei sich. Welche Kontaktperson aus dem Adressbuch des Mobiltelefons über den Notfall zu benachrichtigen ist, ist aufgrund des Umfangs der Kontaktlisten für die Rettungskräfte in der Regel nicht ersichtlich.

Abhilfe könnte hier die Idee eines britischen Rettungsassistenten schaffen, die nach dem Terroranschlag in London entstand: Im Notfall (in case of emergency) soll es dem Rettungsdienst- oder Krankenhauspersonal möglich sein, Angehörige umgehend zu erreichen. Immer dann, wenn der Verletzte oder Erkrankte selbst nicht mehr sprechen kann, könnte der Eintrag „ICE“ (In Case of Emergency) im Adressbuch des Mobiltelefons zu einem Angehörigen führen.

Es handelt sich zweifellos um eine einfache Idee, die nichts kostet und auch keiner aufwendigen Technik bedarf, sondern lediglich davon abhängt, dass das Handy nach einem Unglück noch betriebsfähig ist. Die Abkürzung ICE ist nicht nur innerhalb der EU, sondern weltweit bei Rettungsdiensten gebräuchlich. Der breiten Öffentlichkeit ist die Abkürzung ICE allerdings noch weitestgehend unbekannt. Zudem wird im deutschsprachigen Raum ferner die Abkürzung IN (Im Notfall) verwendet.

Eine Kampagne „ICE — In Case of Emergency“ seitens der EU-Kommission wäre daher wünschenswert, um diese Idee in der EU-Bevölkerung bekannt zu machen und eine einheitliche Verwendung innerhalb der EU zu gewährleisten.

Kann die Kommission diesbezüglich folgende Fragen beantworten:

1. Könnte sie sich vorstellen, eine solche Kampagne europaweit zu initiieren?

2. Sieht sie sonstige nicht legislative Möglichkeiten, im Mobiltelefon den Telefonbucheintrag „ICE“ europaweit bekannter zu machen?

Antwort

Antwort von Frau Reding im Namen der Kommission: Die in der schriftlichen Anfrage des Herrn Abgeordneten genannte „ICE“-Kampagne kann dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Rettungsdiensten und den nächsten Angehörigen der Opfer zu verbessern. Die Kommission kennt und begrüßt Initiativen, die Mitgliedstaaten wie das Vereinigte Königreich oder Belgien ergreifen, um über Programme wie ICE oder die Erste-Hilfe-Informationskarte die Kontaktaufnahme mit den nächsten Angehörigen von Opfern zu vereinfachen und wichtige medizinische Informationen zu erhalten. Wie der Herr Abgeordnete vielleicht weiß, ist die Kommission derzeit mit dem Projekt der einheitlichen europäischen Notrufnummer 112 befasst, um zum einen sicherzustellen, dass die Anforderungen des EU-Rechtsrahmens in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden(1), und zum anderen die Bürger darüber zu informieren, dass mit der Nummer 112 in der gesamten EU Rettungsdienste gerufen werden können. Die Möglichkeit, über die 112 in allen Mitgliedstaaten angemessene Hilfeleistungen zu erhalten, ist in Notfällen äußerst wichtig und hat bereits Leben gerettet. Die Kommission wird prüfen, wie der Bekanntheitsgrad der Notrufnummer über die Medien erhöht werden könnte und ob gegebenenfalls Pilotprojekte gefördert werden sollten, die die Vorteile einer Kombination von ICE und 112 demonstrieren könnten. Die Kommission begrüßt Initiativen zur Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Opfern, durch die Maßnahmen für die einheitliche europäische Notrufnummer ergänzt und Notfallroutinen zum Vorteil der EU-Bürger verbessert werden. Sollte eine Bezuschussung der „ICE“-Initiative durch EU-Mittel gewünscht werden, so müsste gemäß den üblichen Verfahren ein entsprechender Antrag auf finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union gestellt werden. (1) Siehe Artikel 26 der Universaldienstrichtlinie, ABl. L 108 vom 24.4.2002.