Kindersklaverei auf Kakaoplantagen in Westafrika

In einer Reportage im deutschen Fernsehen wurde über Sklavenarbeit von Kindern auf den Kakaoplantagen in Westafrika berichtet. Dabei wurde erwähnt, dass die großen europäischen Importeure von Kakaobohnen im Jahre 2001 ein Abkommen unterzeichnet haben, das Kindersklaverei bei der Kakaoernte für das Jahr 2007 unterbinden sollte. Sie gingen eine Selbstverpflichtung ein, keine Kakaobohnen mehr von Plantagen zu kaufen, die Kindersklaven beschäftigen. Die Reportage konnte jedoch belegen, dass es im Jahre 2010 immer noch Kindersklaven auf den Kakaoplantagen gibt. Die großen Importeure weigerten sich, die Reportage zu kommentieren.

1. Ist der Kommission die Existenz von Kindersklaverei auf Kakaoplantagen in Westafrika und der Verstoß gegen dieses Abkommen bekannt?

2. Um welche Staaten handelt es sich dabei?

3. Beabsichtigt die Kommission die Fälle gegenüber den betroffenen Regierungen anzusprechen, und wenn nein, warum nicht?

Antwort

Antwort von Frau Catherine Ashton — Hohe Vertreterin/Vizepräsidentin im Namen der Kommission: Das Problem der Kinderarbeit in Westafrika ist ein komplexes und anerkanntes Thema und muss im Gesamtzusammenhang von Armut, sozioökonomischer Entwicklung und Demografie gesehen werden. Die westafrikanische Kakaoproduktion macht über 70 % der globalen Erzeugung aus (Elfenbeinküste 38 %, Ghana 21 %, Kamerun 5 % und Nigeria 5 %). Die Elfenbeinküste und Ghana sind mit 80 % der gesamten westafrikanischen Produktion die zwei weltweit größten Produzenten. Auch in Togo, Sierra Leone und Liberia wird Kakao produziert, wenngleich in viel geringeren Mengen.Kakao wird meist von Kleinbauern angebaut und ist das wichtigste Agrarexporterzeugnis der Region. Kinder werden nicht nur im Kakaosektor, sondern auch in zahlreichen anderen Bereichen der Landwirtschaft (Bananen-, Ananas- und Baumwollanbau) sowie in der gewerblichen Wirtschaft und im Dienstleistungssektor beschäftigt.Um das Problem der Kinderarbeit und der Versklavung von Kindern zu bewältigen, müssen alle Beteiligten einschließlich der jeweiligen Regierungen Engagement zeigen. Während einige Länder, wie z. B. Ghana, Fortschritte in der Bekämpfung von Kinderarbeit in Kakaoplantagen machen, bleibt die Situation in Côte d'Ivoire, teilweise aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Instabilität, höchst problematisch. Die Länder der Sahelzone stellen aufgrund der großen Armut, demografischer Faktoren und der Tradition der Wirtschaftsmigration nach wie vor eine der Hauptquellen der Kinderarbeit dar.Öffentliche Aufmerksamkeit trägt erheblich zum Schutz der Kinder vor Menschenhandel und Versklavung bei, da die Interessengruppen negative Reaktionen der Verbraucher und Ansehensverluste fürchten. Zu diesem Zweck wurde 2001 von der Chocolate Manufacturers Association (CMA) und der World Cocoa Foundation (WCF) das Harkin-Engel-Protokoll unterzeichnet. Hierbei handelt es sich um ein freiwilliges Abkommen zur Entwicklung und Umsetzung von Zertifizierungsstandards. Unanhängigen Überprüfungen zufolge wirkt sich das Protokoll anhaltend positiv auf den Privatsektor und die Regierungsmaßnahmen aus.Die EU nimmt das Problem der Kinderarbeit in Westafrika ernst und beteiligt sich aktiv an den Bemühungen es zu bewältigen. Nachdrücklich unterstützt sie die von der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) aufgestellte Agenda für menschenwürdige Arbeit, die den Kampf gegen Kinderarbeit jeglicher Art einschließt und sich hierbei auf die IAO-Übereinkommen Nr. 182 über das Verbot der schlimmsten Formen der Kinderarbeit und Nr. 138 über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung stützt. In vierzehn AKP-Staaten wird derzeit ein mit 14 Mio. EUR dotiertes Projekt im Rahmen des IAO-Programms zur Abschaffung der Kinderarbeit durchgeführt. Die EU verfolgt einen umfassenden Ansatz in Sachen Kinderarbeit und ‑handel in Entwicklungsländern. Dies zeigt sich in einer Reihe von Grundsatzpapieren wie der Mitteilung „Außenmaßnahmen der EU: Ein besonderer Platz für Kinder“(1) (2008), dem Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen zum Thema Kinderarbeit (2010) und den Schlussfolgerungen des Rates(2) vom Juni 2010. Die EU engagiert sich für die weltweite Einhaltung des Übereinkommens über die Rechte des Kindes und verstärkt ihre allgemeinen Bemühungen zur Bekämpfung jeglicher Form von Kinderarbeit und ‑handel. Ein weiteres Beispiel für dieses Engagement ist das thematische Programm „In die Menschen investieren“, in dessen Rahmen derzeit Projekte zur Bekämpfung von Kinderarbeit ausgewählt werden (Budget: 10 Mio. EUR). Zur Bekämpfung des Menschenhandels ist die EU in verschiedenen Foren auf kontinentaler, regionaler und bilateraler Ebene aktiv. Im Rahmen des Dialogs mit Afrika fördert die EU die Umsetzung des Aktionsplans von Ouagadougou zur Bekämpfung des Menschenhandels(3).In Westafrika baut die EU derzeit ihre Unterstützung der interregionalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Menschenhandels im Rahmen des Regionalen Strategiepapiers (RSP)/Regionalen Richtprogramms (RRP) des 10. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) für die Region Westafrika aus