Statistiken von Eurostat

Die Statistiken von Eurostat beruhen auf Datenzulieferungen aus den Mitgliedstaaten der Union. Eine eigene Datenerhebung durch Eurostat erfolgt nicht. Die Angaben von Eurostat zu dem Leistungsbilanzdefizit der USA gegenüber der EU sind kritikwürdig: Während Eurostat für das Jahr 2017 über einen Überschuss der EU von 154 Mrd. EUR berichtet, beläuft sich die Angabe des US-amerikanischen Statistikamtes auf ein Defizit der USA von lediglich 13 Mrd. EUR im gleichen Zeitraum.
1) Wie erklärt sich die Diskrepanz der Angaben, und worauf ist sie zurückzuführen?
2) Welche Indikatoren fließen in die Messmethode von Eurostat ein, und umfassen diese neben dem Güterhandel auch Dienstleistungen sowie Primär‐ und Sekundäreinkommen?
3) Liegen der Kommission Erkenntnisse über weitere Fälle mit solch starken Abweichungen vor, und welche Maßnahmen sieht die Kommission vor, damit durch Eurostat veröffentlichte Statistiken realitätsnah, nachvollziehbar und hochwertig sind?

Antwort

DE P-000671/2019 Antwort von Marianne Thyssen im Namen der Europäischen Kommission (8.3.2019) Den einschlägigen internationalen Methodikleitlinien zufolge besteht die Leistungsbilanz im Bereich der Zahlungsbilanzstatistik aus vier Hauptkonten: Waren, Dienstleistungen, Primär- und Sekundäreinkommen. Die EU-Mitgliedstaaten übermitteln diese Komponenten an Eurostat, wo diese wiederum zur Berechnung der aggregierten Zahlen der gesamten EU verwendet werden. Die Datenübermittlungen an Eurostat werden regelmäßigen und detaillierten Qualitätsbewertungen unterzogen, die in jährlichen Qualitätsberichten veröffentlicht werden. Es gibt sowohl methodische als auch praktische Gründe für eine fehlende Übereinstimmung zwischen bilateralen Leistungsbilanzdaten („Asymmetrien“), z. B. Mängel bei der Umsetzung der gemeinsam vereinbarten internationalen Methodik, Unterschiede bei der Zuordnung von Transaktionen zwischen verschiedenen Gruppen von Waren und/oder Dienstleistungen, der Buchungszeitpunkt, die Bewertung, die geografische Verteilung und die verwendeten Datenquellen. Ein aktueller Bericht , der in Zusammenarbeit zwischen Eurostat und dem Bureau of Economic Analysis (BEA) der Vereinigten Staaten erstellt wurde, enthält einen Überblick über die Erkenntnisse zu den Asymmetrien in den Zahlungsbilanzen zwischen der EU und den USA. Einer der Gründe für die Asymmetrien besteht darin, dass die USA die internationalen Methodikleitlinien (BPM6) noch nicht vollständig umgesetzt haben, während die Kommission durch die Verordnung (EU) Nr. 555/2012 der Kommission sichergestellt hat, dass dieses Handbuch in allen EU-Mitgliedstaaten Anwendung findet. In der Studie wird die Schlussfolgerung gezogen, dass es neben dem bilateralen Ausgleich keine schnellen Lösungen für dieses Problem gibt. Das BEA führt derzeit Forschungsarbeiten zur Behebung dieser Mängel durch und die weitere bilaterale Zusammenarbeit zwischen dem BEA und Eurostat wird fortgesetzt.