Happy Brexmas – Warum Europa wieder mehr nach vorne schauen muss.

Wir schreiben das Jahr 2128. Wie jedes Jahr kommt der britische Premierminister nach Brüssel, um eine Brexit-Verlängerung zu beantragen. Niemand kann sich mehr daran erinnern, woher dieser seltsame Brauch stammt, aber er zieht wie jedes Jahr viele Touristen an. So lautet übersetzt ein Witz, der gerade durchs Internet gereicht wird. Es fällt leicht, über dieses Thema zu lachen – leichter als es mir fällt, in diesen Zeilen die aktuelle Entwicklung wiederzugeben. Bis Sie das Ende dieses Paragraph erreicht haben, wird sich die Situation auf der britischen Insel schon wieder verändert haben.

Wir als Zuschauer sind die Debatte mittlerweile leid. Eigentlich sollte zu diesem Zeitpunkt allen Beteiligten klar sein, dass ein Austritt des Vereinigten Königreichs nur Verlierer produzieren wird. Andere Weltregionen werden profitieren, die Briten werden am Ende mit leeren Händen dastehen.
Vielleicht sollten wir aufhören, den Austrittswunsch unserer britischen Freunde als ein punktuelles Ereignis mit einem klar definierten Ende zu sehen. Brexit ist ein Prozess, den die britischen Boulevardmagazine vor vielen Jahrzehnten begonnen haben, um ihre Auflagen zu steigern und der nicht zu einem bestimmten Datum beendet sein wird. Und zwar unabhängig davon, ob man nun austritt, weiter verzögert oder bleibt.

Insofern macht es für die EU Sinn, sich noch mehr auf die eigene Verantwortung gegenüber
ihren Bürgerinnen und Bürgern und dem Rest der Welt zu besinnen. Die neue Europäische Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen hat viele Baustellen, die lohnender sind: der Klimawandel muss politisch vernünftig begleitet werden, die weltweiten Handelsbeziehungen müssen aufgrund der sich verändernden Rahmenbedingungen neu geordnet werden und die derzeit entstehenden Konfliktherde müssen dringend eingedämmt werden – auch um künftige Fluchtursachen zu minimieren.

Wir brauchen eine Wirtschaft, deren Rechnung für die Menschen aufgeht. Wir müssen uns besser für das digitale Zeitalter aufstellen. Und wir brauchen ein Europa, dass den Menschen zeigt, dass Recht und Gesetz gelten – und nicht das Recht des Stärkeren oder Frecheren.
Ich baue darauf, dass die neue Kommission die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitnehmen wird. Ursula von der Leyen plant eine Konferenz zur Zukunft Europas, die 2020 beginnen und zwei Jahre laufen soll und an der Sie sich beteiligen können. Ich wünsche uns allen, dass dieser Aufbruch gelingt – und Ihnen und den Menschen, die Sie lieben, ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Die weiteren Themen: Die neue EU-Kommission vorgestellt, Daniel Caspary auf dem Bundesparteitag 2019, Talk-Runde zur neuen EU-Kommission bei hartaberfair, Besuchergruppen-Ecke.