Mondpreise im Mobilfunk müssen runter

Anhörung im Europäischen Parlament zu Roaminggebühren im Ausland

Anhörung im Europäischen Parlament zu Roaminggebühren im Ausland

Die stellenweise immens hohen Roaminggebühren, die Mobilfunkkunden im Ausland zahlen müssen, waren heute Mittag Thema einer Anhörung im Europäischen Parlament in Brüssel. Daniel Caspary, Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie, der die Anhörung zusammen mit dem Binnenmarktausschuss initiiert hatte, kritisierte das Festhalten der Mobilfunkbetreiber an überholten Strukturen: “Was wir als Kunden hier erleben ist reine Abzocke. Wir haben das schon bei den Banken erlebt, als wir bei den internationalen Überweisungen 10 Jahre lang auf eine kundenfreundliche Lösung warten mussten. Dieses Spiel werden wir nicht noch einmal spielen: entweder die Mobilfunkbetreiber bewegen sich oder wir müssen handeln”, erklärte Caspary in der Anhörung.

Geladen waren neben Repräsentanten der Mobilfunkbranche auch ein Vertreter der irischen Regulierungsbehörde sowie Ewan Sutherland, Direktor der International Telecommunications Users Group (INTUG). Aus Sicht dieser Verbraucherorganisation ist es besonders enttäuschend, dass die Roamingebühren bei der GSM-Telefonie seit 1998 nahezu ohne Ergebnis diskutiert werden: “Wir haben im Mobilfunk heute Tarife zwischen zwei Ländern, wie wir sie sonst seit 20 Jahren nicht mehr kennen. Die Lissabon-Strategie schreibt uns den gemeinsamen Binnenmarkt vor, aber einen paneuropäischen Mobilfunkmarkt gibt es bis heute nicht.” Sutherland wies darauf hin, dass dies nicht nur für die Sprachtelefonie sondern auch für den Datenfunk über GPRS gelte und kritisierte insbesondere das unkooperative Verhalten der Mobilfunkgesellschaften, dass dem eines internationalen Kartells entspräche.

Dietrich Beese, Managing Director Corporate Affairs von O2 Deutschland, begründete die hohen Kosten mit der Bindung der Endverbraucherpreise an die so genannten IOT-Tarife (Inter-Operator Tariffs). Über diese Tarife kompensieren die Betreiber per Mischkalkulation das unterschiedliche Mobilfunkverhalten von Urlaubern im Ausland. Wenn mehr Deutsche nach Österreich in den Urlaub fahren als umgekehrt, haben die deutschen Anbieter höhere Kosten, die sie dann auf ihre Kunden abwälzen müssten. “Was auf den Urlaubsstrom in südliche Regionen sicher zutrifft, dürfte sich schon bei den Geschäftskunden wieder umdrehen”, meinte Daniel Caspary und fügte hinzu: “Ich kann dieser Argumentation deshalb nur begrenzt folgen.”

David Gunning, Direktor der irischen Regulierungsbehörde, präsentierte die Ergebnisse einer Endverbraucherumfrage. Demnach sei einem Großteil der Mobilfunkkunden gar nicht bewusst, dass sie im Ausland verstärkt zur Kasse gebeten werden. 92% der Benutzer würden vorsichtshalber verstärkt SMS versenden, 48% mieten oder kaufen einen Telefon im Ausland und 46% benutzen eine alternative SIM-Karte. “Die neuen technischen Möglichkeiten über Internettelefonie, CallBack-Verfahren oder Mobilfunkkarten alternativer Anbieter zeigen ja, dass die großen Mobilfunkbetreiber Mondpreise verlangen”, so Daniel Caspary. “Die Kommission muss hier eventuell sogar kartellrechtliche Schritte in Erwägung ziehen, um den Verbrauchern zur Seite zu stehen.”