EU-Kommissar mit Tempo 90 auf der Standspur

Caspary: Verspäteter Aprilscherz / Mangel beseitigen nicht verwalten

Caspary: Verspäteter Aprilscherz / Mangel beseitigen nicht verwalten

Entrüstet zeigte sich der Europaabgeordnete Daniel Caspary über den heute publik gewordenen Vorschlag von Energiekommissar Andris Piebalgs ein europaweites Tempolimit von 90 Stundenkilometer einzuführen. “Der Energiekommissar sollte sicherstellen, dass wir über genügend Energie verfügen, und nicht den Mangel verwalten”, so der Energiefachmann Caspary. “Angesichts des hohen Ölpreises von 55 Dollar pro Barrel müssen wir über verläßliche Energiequellen und die effizientere Nutzung der vorhandenen Energie nachdenken, aber nicht unsere Mobilität aufs Spiel setzen”, so Caspary weiter. Da ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ohnehin nicht in den Aufgabenbereich des Energiekommissars falle, halte er die Forderung auch eher für einen verspäteten Aprilscherz als für einen seriösen Vorschlag.

Der lettische Kommissar Piebalgs hatte einen Vorschlag der Internationalen Energie-Agentur (IEA) aufgegriffen und den Benzinverbrauch von Autos kritisiert, die mit 200 Stundenkilometer über deutsche Autobahnen rasen würden. “Die Verwaltung von Mangel kennen wir aus dem Sozialismus”, so Caspary süffisant, der gerade bei einer Fraktionsvorstandsklausurtagung im Bulgarischen Sofia weilt. “Die Beseitigung des Mangels, das ist die Herausforderung, und dafür steht die Marktwirtschaft”. Der 28-jährige Abgeordnete sorgte sich auch um das negative EU-Bild, dass durch die Forderung Piebalgs wieder einmal in die Köpfe der Menschen gebracht werde: “Die EU kann sich selbst einen großen Dienst erweisen, wenn sie sich solche bevormundenden und zentralistischen Äußerungen in Zukunft verkneift”, meinte Caspary und fügte hinzu: “Gerade im Energiebereich hat die EU mehr zu bieten als solche Schnellschüsse”