Caspary: “In einem Jahr kann viel passieren”

Daniel Caspary seit genau einem Jahr für die Region im Europaparlament

Daniel Caspary seit genau einem Jahr für die Region im Europaparlament

Am Montag, den 13. Juni 2005 ist die Europawahl auf den Tag genau ein Jahr her: „Vermutlich war dies das bisher schnellste Jahr in meinem Leben“, bekennt der damals frisch ins Europaparlament gewählte Jungparlamentarier Daniel Caspary schmunzelnd und fügt hinzu: “Es ist schon erstaunlich, was sich in einem Jahr alles ändern kann.“ Der mittlerweile 29jährige Stutenseer hatte sich damals – für viele Außenstehende überraschend – den Platz 2 auf der Landesliste der Christdemokraten erobert und sitzt seither als Abgeordneter für die Europäische Volkspartei im Europaparlament. Große Themen hatte die Bürgervertretung seither auf der Tagesordnung: die Anhörung und schließliche Ablehnung der ersten Kommission, die nachfolgende große Mehrheit für die zweite Kommission von Präsident Barroso, die Debatte über den Türkei-Beitritt, der Auftritt des neuen Weißrussischen Präsidenten Juschtschenko in Straßburg, der Beschluß über die Aufnahme Rumäniens und Bulgariens und die gerade wieder hochaktuelle Ratifizierung der Europäischen Verfassung gehören sicherlich dazu.

Zumeist beschäftigen ihn allerdings die aktuellen Themen in seinen Ausschüssen “Internationaler Handel” sowie “Industrie, Forschung und Energie”: „Ich bin sehr glücklich mit dem inhaltlichen Zuschnitt meiner Ausschüsse“, erklärt der vormalige Handlungsbevollmächtigte des Mannheimer Energieversorgers MVV und fügt als Begründung hinzu: „Ich beschäftige mich dadurch mit so wichtigen Themen wie der Globalisierung, die ja gerade meine Generation vor große Herausforderungen stellt. Ganz oben steht auch das Thema Energie – nicht nur, weil ich mich damit beruflich auskenne, sondern auch weil eine sichere Energieversorgung ein Schlüsselthema für unseren weiteren wirtschaftlichen Wohlstand ist.“ Darüber hinaus ist Caspary auch Mitglied im Ausschuss für “Haushaltskontrolle”, der über einen Sonderstatus im Parlament verfügt: „Ich höre oft, dass ‚die in Europa’ unser Geld verbraten würden und da trifft es sich ganz gut, im Haushaltskontrollausschuss die Finanzen der EU im Blick zu behalten.“

Als herben Rückschlag für das Projekt Europa empfindet Caspary die Ablehnung der Europäischen Verfassung bei den Referenden in Frankreich und den Niederlanden – eine Einschätzung die ihn fraktionsübergreifend mit fast allen seiner Kollegen verbindet: „Das ‚non’ in Frankreich hatte sicherlich überwiegend innenpolitische Gründe, wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass viele Menschen Europa noch immer als überreguliert und abgehoben erleben – da gilt es offensiv entgegenzusteuern.“ Zusammen mit seinen Fraktionskollegen tritt Caspary deshalb für eine Denkpause im Ratifizierungsprozess ein: „Die Verfassung ist gut, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Sie bringt mehr Transparenz, mehr Demokratie, mehr Bürgerrechte und macht Europa schlanker und fit für die Zukunft“, erklärt Caspary und fügt hinzu: „Was die Menschen beunruhigt ist zum Beispiel die übereilt erscheinende Erweiterung der EU nach Osten – das ist ein Thema, das nun sicherlich noch einmal auf die Tagesordnung gehört. Europa muss mehr auf seine Bürger hören.“

Die Anregungen und Vorschläge, die der in Stutensee bei Karlsruhe lebende Caspary von seinen zahlreichen Besuchen im Wahlkreis mitbringt, betrachtet er als wichtigen Input bei seiner politischen Meinungsbildung. Ein anderes Mittel um Europa näher an die Bürger zu bringen, sind für ihn Besuchergruppen: „Ich habe mir vor der Wahl fest vorgenommen, die Distanz der Bürger zu den europäischen Institutionen abbauen zu helfen. Ich bin stolz darauf, dass wir mittlerweile über 1.800 Besucher an den beiden Standorten des Parlaments begrüßen durften. Das erfordert einigen logistischen Aufwand für mein Team und mich – lohnt sich aber im Endeffekt“, so Caspary: „Meine Beobachtung ist, dass Bürger, die uns hier bei der Arbeit gesehen haben, Europa danach nicht mehr als abstrakt und fremd begreifen.“ Der Großteil der Besucher war in Straßburg – da hilft sicherlich die unmittelbare Nähe zum Wahlkreis, wie Capsary unumwunden zugibt: „Manche meiner Kollegen fühlen sich mittlerweile in Brüssel zu Hause. Ich genieße es nach wie vor so oft wie möglich in der Region unterwegs sein zu können. Der Parlamentsstandort Straßburg ist dabei natürlich von Vorteil.“

Ein weiteres wichtiges Kommunikationsmittel bildet für Caspary das Internet. Als Kind der Internetgeneration ist er mit dem Medium vertrauter als manch einer seiner Kollegen. Seine Webseite www.caspary.de ist in einem großen unabhängigen Vergleichstest zur Besten aller deutschen Abgeordneter gekürt worden. „Auf meiner Webseite kann ich den Menschen weiterführende Links zum Thema Verfassung oder zur EU-Erweiterung geben, persönliche Gedanken in mein Blog schreiben, Besuchergruppenfotos zum Download anbieten oder aktuelle Pressemeldungen veröffentlichen“, zählt Caspary die Vorzüge des Mediums auf. „Mit meinem elektronischen Newsletter oder der als PDF erhältlichen EUROPAPOST kann ich schnell und ohne Umwege aktuelle Themen kommunizieren.“ Hin und wieder findet sich auch Zeit für eine Spielerei, wie einer interaktiven virtuellen Tour durchs Parlament – der virtuelle Kaffee in Casparys Abgeordnetenbüro im 15. Stock ist inklusive. „Diese Mehrarbeit wird von den Menschen durchaus geschätzt“, erklärt Caspary sein Engagement und ergänzt: „die Rückmeldungen sind zahlreich und zumeist positiv.“

Das erste Jahr war somit voll gepackt mit Arbeit und neuen Erfahrungen für den Parlamentsneuling – er möchte aber auch im Nachhinein keine Sekunde missen: “Ich habe mich mittlerweile gut in die Arbeit als Abgeordneter eingefunden“, bewertet Daniel Caspary seine Arbeit und lacht: „Mittlerweile finde ich sogar im verwirrenden Brüssler Labyrinth fast jeden Sitzungssaal auf Anhieb“. Sein Terminkalender kennt zwar kaum noch Freizeit – schließlich muss neben dem Wahlkreis auch noch die Abstimmung mit den Kollegen in Berlin organisiert werden. Dafür hat Caspary bereits seine ersten Reden im Plenum zum Thema Klimaschutz oder zum Handel mit – auch gefälschten – Produkten aus China halten können und auch sein erster Bericht zum Thema Irak ist in trockenen Tüchern. „Das erste Mal vor dem versammelten Haus zu reden, war schon ein aufregendes Gefühl“, bekennt Caspary und meint: „Das hat Lust auf mehr gemacht. Ich freue mich bereits auf die nächsten vier Jahre.“