Grenzschranken im Mobilfunk müssen fallen

Anhörung im Europäischen Parlament thematisiert Roaminggebühren

Anhörung im Europäischen Parlament thematisiert Roaminggebühren

Das Europäische Parlament in Brüssel hat sich heute erneut mit den Roaminggebühren befasst, die europäische Mobilfunkbenutzer bei Reisen ins Ausland zahlen müssen. Eine Anhörung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie beschäftigte sich am Nachmittag mit der Situation in den einzelnen Mitgliedsstaaten und der Rolle der europäischen und der nationalen Regulatoren. “Die Mobilfunkbranche handelt nicht im Sinne ihrer Kunden. Wenn sie nicht bald eine transparente und vor allem bezahlbare Lösung auf den Weg bringt, müssen wir im Interesse der Kunden hart durchgreifen”, äußerte das Ausschussmitglied Daniel Caspary seine Unzufriedenheit mit der Hinhaltetaktik der Mobilfunkbetreiber. “Die Banken haben zehn Jahre und den nötigen Druck von der europäischen Seite gebraucht, um eine kundenfreundliche Lösung für internationale Banküberweisungen anzubieten. Die Mobilfunkbetreiber sollten sich gut überlegen, ob sie dieses Spiel spielen wollen”, erklärte Caspary.

Noch immer zahlen die Mobilfunknutzer beim Urlaub im Ausland stellenweise immens hohe Gebühren: Ein deutscher O2-Kunde wird in Malta beispielsweise mit bis zu 2,72 Euro pro Minute zur Kasse gebeten. Aber auch im benachbarten Frankreich kostet ein über T-Mobile oder Vodafone abgerechnetes Gespräch bis zu 1,24 Euro in der Minute, während E-Plus-Nutzer in Liechtenstein bis zu 1,99 Euro die Minute investieren müssen. Hinzu kommt, dass die unübersichtliche Kostenstruktur den Kunden meist keinen ausreichenden Überblick der vertelefonierten Kosten gestattet. Dies trifft insbesondere deutsche Mobilfunkkunden im Ausland hart: während Italiener in jedem Land rund um die Uhr genau einen Euro für eine Roamingminute zahlen und Briten, Irländer und Schweizer sich oft nur zwei verschiedene Tarife merken müssen, sehen sich Deutsche, Franzosen, Belgier, Niederländer und Österreicher oft mit einer verwirrenden Tarifstruktur konfrontiert.

Viele Mobilfunkkunden wissen zudem nicht, dass auch das Annehmen eines Anrufs im Ausland meist mit hohen Kosten verbunden ist: für Kunden der vier deutschen Netzbetreiber schlägt dies pro Auslandsminute mit 0,59 bis 0,69 Euro zu Buche, die zusätzlich zu den normalen Kosten des Anrufs fällig werden. Die Betreiber machen für die hohen Kosten die so genannten IOT-Tarife (Inter-Operator Tariffs) verantwortlich: die Ausgleichzahlungen, die Betreiber in nordischen Ländern beispielsweise an Anbieter in südlichen Urlaubsländern zahlen, müssten sie auf ihre Kunden abwälzen, so die Begründung. “Was auf den Urlaubsstrom in südliche Regionen sicher zutrifft, dürfte sich schon bei den Geschäftskunden wieder umdrehen”, meinte Daniel Caspary und fügte hinzu: “Ich kann dieser Argumentation deshalb nicht folgen. Das ist eine reine Ausnutzung der Marktmacht und eine Abzocke der Kunden.”

Durch Internettelefonie, CallBack-Verfahren oder Mobilfunkkarten alternativer Anbieter ist den großen Mobilfunkbetreibern in den letzten Jahren Konkurrenz erwachsen. Die hohen Gebühren der Branche werden damit in zunehmendem Maße in Zweifel gestellt. “Das Schengener Abkommen hat 1985 die Grenzen in Europa für Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital geöffnet – zwanzig Jahre später wird es Zeit dass auch im Mobilfunk die letzten Grenzen fallen”, forderte Caspary. “Ein einheitlicher europäischer Mobilfunkmarkt wäre ein Projekt, das die Bürger vielleicht wieder mit der europäischen Idee versöhnen könnte”, spekuliert Caspary und fügt lachend hinzu: “Vielleicht träumen die Europäer ja nachts nicht von einer gemeinsamen europäischen Verfassung sondern ganz konkret von bezahlbaren Handy-Gesprächen im nächsten Frankreich- oder Italienurlaub.”