Airsoft-Waffen sind gefährliches “Spielzeug”

Caspary: Behandlung von originalgetreuen Schusswaffenmodellen überdenken / Vorfälle aus der Region beschäftigen nun auch die europäische Ebene

Caspary: Behandlung von originalgetreuen Schusswaffenmodellen überdenken / Vorfälle aus der Region beschäftigen nun auch die europäische Ebene

Die Grenze zwischen Spielzeug und Schusswaffe beschäftigt nun auch die europäische Ebene: Der nordbadische Europaabgeordnete Daniel Caspary hat eine Anfrage an die Europäische Kommission gerichtet, in der er Aufklärung darüber fordert, wie in Europa mit so genannten Soft-Air- oder Airsoft-Waffen umgegangen wird. Diese originalgetreuen Nachbildungen von Schusswaffen funktionieren mit Luft- oder Gasdruck und werden zumeist von Jugendlichen zum Spiel auf Wald und Wiesen benutzt. Im Unterschied zu Paintball oder Gotcha besteht die Munition der Airsoftguns (ASG) jedoch nicht zwangsläufig aus Farbstoffkugeln. Die Waffen sind deshalb unlängst in die Kritik geraten, weil sie zu Verletzungen geführt haben und im Zweifelsfall nicht von „echten“ Waffen zu unterscheiden sind.

In Deutschland werden Airsoft-Waffen unter Berufung auf die EU-Spielzeugrichtlinie 88/378/EWG bei einer Geschossenergie von weniger als 0,5 Joule seit dem Juli 2004 als Spielzeug behandelt. Modelle mit einer stärkeren Geschossenergie gelten als Schusswaffen. Sie sind ab einem Alter von 18 Jahren frei erhältlich, dürfen aber offiziell nur mit Waffenschein geführt werden. In benachbarten europäischen Ländern gelten weniger strenge Regeln: in Spanien, Italien oder Frankreich etwa sind nicht gekennzeichnete Nachbauten von Pistolen und vollautomatischen Schnellfeuergewehren frei erhältlich und gelten bei einigen Jugendlichen als beliebtes Urlaubssouvenir.

Die benutzen Plastikprojektile können jedoch wegen der hohen Geschossenergie mitunter schwere Augenverletzungen hervorrufen. Zudem kommt es immer wieder zu Ordnungswidrigkeiten in Zusammenhang mit ASG-Waffen: eine 79-jährige Rentnerin in Brandenburg und ein dreijähriger Junge im Ruhrgebiet sind bereits mit Airsoft-Waffen beschossen worden und auch in der Region füllen derartige Vorfälle bereits Aktenordner. In Pfinztal untersucht die Polizei derzeit drei große Fälle, an denen insgesamt 15 Jugendliche beteiligt sind. Außerdem sind die oft maßstabsgetreuen Nachbildungen nicht auf Anhieb von echten Waffen zu unterscheiden: In Waiblingen wurde vergangenes Jahr eine Tankstelle mit ASG-Waffen überfallen.

Daniel Caspary hat die Europäische Kommission deshalb aufgefordert, über die Abgrenzung der Soft-Air-Waffen von tödlichen Schusswaffen erneut nachzudenken: „Die jüngsten Vorfälle sollten eigentlich deutlich machen, dass ASG-Waffen kein Spielzeug sind und nicht in die Hände von Kindern gehören“, zeigte sich Caspary besorgt. Die Grenze zu realen Schusswaffen verschwinde hier zunehmend und stelle die Polizei bei ihrer Arbeit vor nicht zumutbare Probleme: „Wie soll ein Polizist im Ernstfall denn innerhalb von Sekunden erkennen, ob er sich einer echten Waffe gegenüber sieht oder einem Imitat?“, fragte Caspary und fügte hinzu: „Hier sollten insbesondere die Eltern aufgerufen sein, sich der potentiellen Gefahren bewusst zu werden und dies auch offen mit ihren Kindern anzusprechen.“