“Festgesetzte Ware sofort freigeben und Quoten erhöhen”

Textilstreit EU-China: Chaos zu Lasten der Verbraucher, Händler und der wettbewerbsfähigen EU-Industrie / Kritik an EU-Kommissar Mandelson

Textilstreit EU-China: Chaos zu Lasten der Verbraucher, Händler und der wettbewerbsfähigen EU-Industrie / Kritik an EU-Kommissar Mandelson

Die Sinnhaftigkeit des Textil-Abkommens der EU mit China wird immer mehr in Frage gestellt. Bei einer Aussprache mit den Mitgliedern des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments (EP) musste Handelskommissar Peter Mandelson deutliche Kritik einstecken. “Bereits im Juli habe ich auf die Probleme der Importeure und Händler mit den neuen Quoten hingewiesen. Doch bisher ist nichts passiert”, sagte der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary.

Erst jetzt, wo der Schaden für viele kleinere Händler und die Verbraucher nicht mehr zu verhindern sei, würde an den Schwachstellen des Abkommens gearbeitet. “Es war aber schon von Anfang an klar, dass eine rückwirkende Anwendung von neuen Quoten ein Chaos produzieren würde”, so der Handelsexperte der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Caspary kritisierte die Kommission und die Mitgliedstaaten: “Man wollte die heraufziehende Krise sehendes Auges aussitzen und jetzt stehen wir alle vor einem Scherbenhaufen.”

Ein Quotensystem bringe selbst der südeuropäischen Textilindustrie nur einen zeitlich begrenzten Vorteil. “Faktum ist, dass europäische Produzenten niemals mit den Lohnkosten in China oder Indien werden konkurrieren können. Die südeuropäische Textilindustrie muss sich endlich dem Wettbewerb stellen”, so Caspary. “Leidtragende der Quotenvereinbarung sind die Händler, die auf der Saisonware sitzenbleiben, und die Verbraucher, die keine günstige Kleidung erwerben können.”

Für Daniel Caspary ist das Textil-Abkommen der EU mit China “nicht durchdacht und protektionistisch”. Zudem sei die Umsetzung mangelhaft. “Die Lösung kann jetzt nur heißen: Die festgesetzte Ware freigeben und die Quoten deutlich erhöhen oder am besten ganz abschaffen. Alles andere wäre ein Verrat an den Interessen der Verbraucher, Händler sowie der wettbewerbsfähigen EU-Textilindustrie und würde dem Ansehen der EU weiter schaden”, sagte der CDU-Europaabgeordnete.