Roaming-Preise im Mobilfunk verstärkt im Blickpunkt

Kommission startet verbraucherorientierte Webseite mit Vergleichspreisen / Caspary: Mobilfunkbetreiber müssen sich noch weiter bewegen

Kommission startet verbraucherorientierte Webseite mit Vergleichspreisen / Caspary: Mobilfunkbetreiber müssen sich noch weiter bewegen

Die Preissituation auf dem europäischen Mobilfunkmarkt ist in den letzen Monaten verstärkt in den Blickpunkt europäischer Akteure geraten: „Der gemeinsam ausgeübte Druck auf die Mobilfunkbetreiber zeigt erste positive Auswirkungen für die Verbraucher“, so das Urteil von Daniel Caspary MdEP, der im Juli eine entsprechende Anfrage samt einer detaillierten Aufstellung von europäischen Roaming-Preisen an die Kommission übermittelt hatte. Laufenden Untersuchungen der diversen Regulierungsbehörden und der Initiative von EU-Kommissarin Reding sei es zu verdanken, dass die Preise für das Telefonieren mit dem eigenen Handy im Ausland in jüngster Zeit vereinzelt billiger und die Kostenstrukturen etwas transparenter geworden sind. „Wir werden die nächsten Schritte der Betreiber genau beobachten und hoffen, dass sie den eingeschlagenen Weg weitergehen“, so Caspary.

Viviane Redding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, hat im Oktober eine neue Webseite (http://europa.eu.int/information_society/roaming) eröffnet, auf der Verbraucher sich anbieterübergreifend über Roaming-Tarife im europäischen Ausland informieren können. Die Kommissarin möchte damit helfen, exorbitante Handyrechnungen nach einem Auslandsaufenthalt möglichst zu vermeiden. Die nach Ländern sortierten Tarifinformationen sollen halbjährlich aktualisiert werden und den Verbrauchern ein klareres Bild der anfallenden Kosten bei Gesprächen im Ausland zu entwickeln. Das Webangebot existiert derzeit leider nur in englischer Sprache, soll aber in Kürze auch auf Deutsch zur Verfügung stehen.

Gestützt wird diese aktuelle Initiative durch den einstimmigen Befund der Gruppe Europäischer Regulierungsstellen (ERG), dass die Verbraucherpreise für das Telefonieren mit dem Handy im Ausland derzeit sehr hoch seien – und dies ohne erkennbaren Grund. Außerdem wird bemängelt, dass die wahren Tarife für die Verbraucher nur sehr schwer einschätzbar seien. Die ERG, der die Leiter der nationalen Telekom-Regulierungsbehörden aller 25 EU-Mitgliedstaaten angehören und die für eine europaweit einheitliche Regulierung sorgen soll, prüft derzeit weitere rechtliche Schritte. Parallel dazu laufen seit einiger Zeit kartellrechtliche Untersuchungen gegen Mobilfunkbetreiber in Deutschland und Großbritannien, die möglicherweise zu hohe Großkundentarife angerechnet und dadurch die von den EU-Verbrauchern zu zahlenden Roaming-Entgelte ungerechtfertigt hoch gehalten haben.

Nach Einschätzung der Kommission zeigt der Druck auf die europäischen Mobilfunkbetreiber bereits erste Wirkung. Einige Betreiber bieten neuerdings Tarifoptionen an, die versprechen, die Handykosten im Ausland zu senken und mehr Transparenz in das System zu bringen. Der Europaabgeordnete Daniel Caspary begrüßte diese aktuelle Entwicklung ausdrücklich: „Ich freue mich, dass die bestehende Tarifstruktur für Sprachtelefonie in Bewegung gekommen ist. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass hier noch deutlicher Spielraum für Tarifsenkungen besteht. Auch was den Datenverkehr angeht, brauchen wir schlüssigere Konzepte, damit diese Zukunftstechnologie sich auf dem europäischen Markt durchsetzen und neue Arbeitsplätze schaffen kann“, so das Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. „Wenn der Markt allein nicht für flexiblere Strukturen sorgt, werden wir den Weg über die Regulierungsbehörden weiter verfolgen müssen. Ansonsten ist aber der informiert handelnde Verbraucher die beste Waffe gegen überhöhte Mobilfunkrechnungen.“

Webangebot der Kommission „Using my mobile abroad: am I paying too much?”:
http://europa.eu.int/information_society/roaming

Webseite der European Regulators Group (ERG): http://www.erg.eu.int/