Bezeichnung und Etikettierung von Textilerzeugnissen (Aussprache)

Herr Präsident, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich wusste immer schon, dass Kollegin Rühle mir sehr sympathisch ist, aber dass ich nach sechs Jahren tatsächlich einen Punkt finde, in dem sie mir aus der Seele spricht, ist doch eine Premiere. Denn auch ich habe die Befürchtung, dass wir im Moment leider zwei Dossiers miteinander verquicken und damit den Bürgern in der Europäischen Union, aber auch uns im Parlament, der Kommission und dem Rat keinen Gefallen tun.

Wir sind uns alle einig, dass das Thema Produktkennzeichnung bei Textilien ein Thema ist, das für die Verbraucher sehr weit oben auf der Tagesordnung steht und für das wir dringend eine Lösung finden sollten. Aber wir sollten wirklich auch darauf achten, dass wir nicht unterschiedliche Dinge miteinander verbinden. Ich habe so etwas hier im Parlament in dieser Art und Weise noch nie erlebt: Wir beraten im Außenhandelsausschuss im Moment über einen Verordnungsentwurf der Kommission, und dann packen wir bei einem anderen Dossier genau dieses Thema irgendwie mit hinein.

Ich spreche konkret von der Ursprungskennzeichnung „Hergestellt in“. Ich werde jetzt gar nicht inhaltlich auf all die Fragen eingehen, die wir im Rahmen der „Hergestellt in“-Verordnung im Außenhandelsausschuss in den nächsten Wochen und Monaten beraten werden: Wo kommt ein Produkt her, das in Italien designt wird, bei dem Leder aus Argentinien verarbeitet wird, bei dem Baumwolle aus Turkmenistan dazukommt, dessen Stoff in China gewebt wird, das in Vietnam zusammengenäht wird und das in Italien dann z. B. als ganzes Hemd noch gebügelt und verpackt wird? Wo kommt dieses Produkt her? Schaffen wir es, eine Regelung für den Verbraucher zu finden?

Ich bin der festen Überzeugung, wenn wir es schaffen, dann sicherlich nicht im Rahmen der Verordnung, über die wir heute diskutieren, sondern dann im Rahmen des Projekts, für das meine Kollegin Muscardini verantwortlich zeichnet. Ich wäre sehr dankbar, wenn wir die beiden Themen in der zweiten Lesung möglichst schnell wieder entflechten könnten. Ich glaube, wir tun wirklich uns, den Verbrauchern, dem Parlament, der Kommission und dem Rat keinen Gefallen, wenn wir das jetzt alles zusammenmischen und miteinander verknüpfen. Ich würde mich freuen, wenn man hier noch eine Lösung findet, die wirklich eine mögliche Blockade verhindert!