Internationales Kakao-Übereinkommen von 2010 – Kinderarbeit im Kakao-Sektor (Aussprache)

Herr Präsident, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Dossier stecken wir in einem Dilemma. Auf der einen Seite lehnen wir alle Kinderarbeit ab – und ich muss offen sagen, als Vater von vier Kindern wird mir schlecht bei dem Gedanken, was im Zweifel andere Kinder tun müssen dafür, dass auch meine Kinder morgens eine Tasse Kaba trinken dürfen.

Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch nicht verleugnen, dass wir die Länder in die Situation bringen müssen, dass sie eben auch soziale Mindeststandards einführen können. Dass sie Schulen und Ausbildung finanzieren können, dass sie die sozialen Sicherungssysteme aufbauen können. Das Dilemma, in dem wir hier stecken besteht darin, dass wenn wir mit den Ländern keinen Handel treiben, auch kein Geld in diese Länder kommt, um all diese Dinge, die wir uns wünschen, aufzubauen. Und wenn wir mit den Ländern Handel treiben, dann stehen wir eben genau vor dem Dilemma, dass wir im Moment Situationen haben, die wir als untragbar erachten. Deswegen begrüße ich ausdrücklich dieses Abkommen.

Ich bin ausdrücklich den Kolleginnen und Kollegen dankbar, die sich bei uns im Ausschuss mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Abkommen ein guter Weg ist. Wir sprechen die Kritikpunkte offen an, aber wir sagen eben nicht von vornherein: „Wir handeln mit euch nicht, so lange Ihr die Welt nicht in Ordnung bringt.“ Vielmehr versuchen wir, einen gemeinsamen realistischen Fahrplan zu entwickeln, um den Ländern zu helfen, aus diesem Dilemma herauszukommen, denn unser gemeinsames Interesse ist eben nicht nur der Genuss eines ordentlichen Stücks Schokolade oder einer guten Tasse Kaba, sondern unser Interesse ist mindestens genauso auch eine gute Zukunft für die Kinder in diesen Ländern.